Über einen Bergrücken laufend knallte das Gebäude aus der umringenden
Natur heraus wie eine Raketenabschussrampe aus der Wüste.
Dieses Gebäude wurde zu anderen Zeiten als Ferienwohnung all der durch
das Jahr hin fleissigen Arbeiter eines Betriebes benutzt und wiederspiegelte
die Ideologie des herrschenden Geistes: sie bauten aus Zement ein spitzes Dach
das stark kontrastierte mit der umringenden Berglandschaft. Dieser Gegensatz
war gewaltig, gewaltig schön !
Die Gardinen wehten aus teilweise zerbrochenen Fenstern. Das Gelände war
verlassen, nur im grossen, dunklen Souterrain standen ein paar Bänke und
Tische, die probierten die Wanderer zum Verweilen ein zu laden. Aus einer Ecke
fiel ein wenig Licht über eine Luke in den Raum hinein, dort öffnete
sich die Mauer zu einem Kiosk hin. Neben der Fensteröffnung hing ein Schild
mit der Beschreibung von ein paar Waren und den dazugehörenden Preisen,
pivo-bier, zmrzlina-eis, caj-thee. Hinter der Anreiche stand ein Mann, bekleidet
mit einem grau-blauen Kittel und einer grossen Brille. Er schaute unbewogen
in den Raum hinein und wartete auf Kundschaft. Das Gebäude und sein Hüter
kannten auch belebtere Zeiten.
Die neuen Eiscremes für den Verkauf, die die Firma ihm alljährlich zuschickten, liess er im Kühlfach links liegen. Das dazugehörende Werbeplakat steckte noch immer in der angelieferten Transportrolle. Nur die altbekannten Eistüten legte er jeden Montag und Freitag in Reih und Glied.
Vor ein paar Jahren, nach ein paar Wechseln in der Chefetage wurden einige Stellen im Gebäude renoviert. Der Mann war nicht einverstanden gewesen mit dem Beschluss, den Vorplatz zu erneuern. Er hatte wohl mitgeholfen, wo er nur konnte: den Sand abends zusammengefegt, Kaffee gekocht für die Arbeiter und andere Hand- und Spanndienste geleistet. Zwischendurch hatte er ein Stück alten Bodenbelag entdeckt und diesen fein säuberlich abgelösst und in ein Album geklebt.
So ab und an träumte er von einer Badewanne, die in seinem kleinen Kabuff hinter der Luke stand. Eine Wanne gefüllt mit heissem Wasser, dessen Dampf den ganzen Raum betörte und befeuchtete. Er sah sich selber im Bad liegen. Splitternackt. Er dachte dann lieber schnell an etwas anderen. Er fühlte sich unwohl, als ob er bei etwas Verbotenem ertappt wurde.
Eines Tages stand ein Foto von ihm in der Zeitung. In einer alten Zeitung,
in die der Fischhändler die Forelle fürs Abendbrot eingewickelt hatte.
Auf dem Foto war noch eine Frau abgebildet, die neben ihm sass. Als er länger
schaute entdeckte er, dass dies ein anderer Mann war. Der Alte hatte sich verwechselt.
Es hatte Zeiten gegeben, dass eine Frau bei ihm gewesen war, eine Frau die abends
bei Heimkunft schon zwei Teller auf den Küchentisch gestellt hatte.
Die Frau war irgendwann verschwunden.